Hochsensibilität ist eine Bereicherung
- Thomas Laggner
- 13. Dez. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Mai 2025
Stellen Sie sich vor, Sie hören den leisen Tick-Tack einer Uhr, während andere Menschen ihn ausblenden. Oder Sie fühlen sich nach einem Gespräch emotional erschöpft, obwohl äußerlich alles harmonisch war. Hochsensible Menschen erleben die Welt oft intensiver, vielschichtiger, manchmal auch überwältigend. Doch diese besondere Wahrnehmung ist kein Makel – sie ist ein Potenzial, das verstanden und gepflegt werden will.

1. Was ist Hochsensibilität?
Definition und wissenschaftlicher Hintergrund
Hochsensibilität bezeichnet eine erhöhte Empfänglichkeit für Sinnesreize und emotionale Schwingungen. Etwa 15–20% der Menschen zeigen Merkmale dieser Wesensart. Studien von Elaine Aron, einer der Pionierinnen der Forschung, zeigen, dass das Nervensystem hochsensibler Personen auf subtile Reize stärker reagiert. Drei Hauptdimensionen sind entscheidend:
Sensorische Empfindlichkeit
Tiefe Verarbeitung emotionaler Reize
Neigung zur Ästhetik und inneren Reflexion
Biologisch ist Hochsensibilität zu einem Teil genetisch bedingt, wird aber auch durch frühkindliche Prägungen beeinflusst. Sie dient evolutiv betrachtet der Früherkennung von Gefahr und dem Erhalt sozialer Bindung.
2. Alltagserfahrungen: Zwischen Tiefe und Überforderung
Wahrnehmung und Beziehung
Hochsensible Menschen nehmen Zwischentöne und Atmosphären differenzierter wahr. Was andere kaum berührt, wirkt in ihnen nach. Ein einziges Gespräch kann tage- oder wochenlang innerlich weiterklingen. Gerade in Beziehungen entstehen dadurch Missverständnisse, wenn das Bedürfnis nach Rückzug als Ablehnung interpretiert wird.
Innere Konflikte
Viele Hochsensible wachsen in einer Umgebung auf, die ihre Besonderheit nicht versteht. Aussagen wie "Du bist zu empfindlich" prägen sich ein und führen zu Selbstzweifeln. Der Weg zur Selbstannahme ist oft mit innerem Ringen verbunden.
3. Selbstregulation und Stärkung
EFT: Klopfen für die Seele
Die Emotional Freedom Technique hilft, emotionale Spannungen abzubauen. Studien zeigen, dass EFT den Cortisolspiegel senkt und zu mehr innerer Balance führt. Besonders in emotional aufgeladenen Situationen kann diese Technik entlastend wirken.
Mentale Bilder und Visualisierung
Durch Imagination können neue innere Räume erschlossen werden. Der visuell-kinesthetische Swish hilft etwa, belastende Muster durch stärkende Bilder zu ersetzen. Die neurowissenschaftliche Forschung unterstützt diese Methode als wirkungsvolle Intervention zur Verhaltensänderung.
Selbstfürsorge als Haltung
Stille Räume, ästhetische Umgebungen, kleine Rituale: Hochsensible profitieren von klaren Strukturen und liebevollen Routinen. Selbstmitgefühl ist hier keine Luxus, sondern eine Notwendigkeit.
4. Gesellschaftlicher Kontext
Bildung und Beruf
In Schulen und am Arbeitsplatz fehlt oft das Verständnis für hochsensible Bedürfnisse. Lärm, Reizüberflutung oder Bewertungskultur können zu chronischem Stress führen. Ein Umdenken hin zu mehr Achtsamkeit wäre ein Gewinn für alle.
Leistung und Anpassung
Hochsensibilität steht oft im Konflikt mit gesellschaftlichen Leistungsnormen. Anpassungsdruck erzeugt inneren Stress und kann zu emotionaler Erschöpfung führen. Es braucht neue Bilder von Stärke – solche, die auch Sensibilität einschließen.
5. Therapeutische & philosophische Zugänge
Gestalt- und personzentrierte Therapie
Beide Ansätze geben hochsensiblen Menschen Raum, sich selbst stimmig zu erleben. Das "Gestaltgebet" erinnert daran, dass Selbstannahme vor Anpassung stehen darf. Die personzentrierte Haltung nach Rogers stärkt das Selbstbild durch Empathie, Kongruenz und bedingungsfreie Wertschätzung.
Philosophische Perspektive
Sensibilität als Gabe: Wer fein wahrnimmt, sieht tiefer. Hochsensible Menschen sind oft Träger von Kultur, Mitgefühl und ethischem Bewusstsein. Ihre Wahrnehmung kann heilsam wirken – für sie selbst und für andere.
6. Fazit und Impulse für den Alltag
Hochsensibilität ist weder Schwäche noch Störung, sondern ein Ausdruck innerer Differenziertheit. Um mit dieser Eigenschaft gut leben zu können, braucht es Wissen, Anerkennung und praktische Wege:
Tägliche Pausen einplanen
Rückzugsorte schaffen
Verständnisvolle Gespräche fördern
EFT oder Visualisierungen nutzen
Eigene Bedürfnisse ernst nehmen
"Welche Feinheit in dir willst du heute ehren?"
Praxisadressen: 2442 Unterwaltersdorf, Wienerstrasse 172340 Mödling, Enzersdorferstrasse 5/1/5www.thomaslaggner.at – 0699-12169080www.etermin.net/thomaslaggner
FAQ zur Hochsensibilität
Ist Hochsensibilität eine Krankheit?
Nein. Es handelt sich um eine angeborene Wesensart, keine psychische Störung.
Wie erkenne ich, ob ich hochsensibel bin?
Typische Anzeichen sind schnelle Erschöpfung bei Reizüberflutung, starkes Einfühlungsvermögen und ein intensives Erleben.
Kann man Hochsensibilität "abtrainieren"?
Nein, aber man kann lernen, gut damit umzugehen und sie als Ressource zu nutzen.
Sind Hochsensible immer introvertiert?
Nicht zwingend. Es gibt auch extrovertierte Hochsensible.
Welche Therapieformen sind geeignet?
Personzentrierte, gestalttherapeutische und achtsamkeitsbasierte Ansätze haben sich bewährt.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, deine eigene Sensibilität neu zu entdecken.
Praxisadressen:
2442 Unterwaltersdorf, Wienerstrasse 17
2340 Mödling, Enzersdorferstrasse 5/1/5
www.thomaslaggner.at – 0699-12169080


